Das Menetekel einer Sekte an der Saar

Soziologisch betrachtet gibt es mehrere Ansätze, den Begriff Sekte zu definieren. Es gibt mehrere sogenannte Haupttypen einer Sekte. Ein Haupttyp darunter ist die aggressive Sekte, mit einem hohen Missionierungsanspruch und einem ausgeprägten Elitebewusstsein.

Vor einiger Zeit bereits hatte der Landesverband der LKR-Saar (Liberal-Konservative Reformer) erklärt nicht an der Landtagswahl teilnehmen zu wollen. Begründet wurde dies mit mangelndem Personal, mangelndem Geld, mithin mangelnder Erfolgsaussichten, was durchaus offensichtlich und auch nachvollziehbar war. Hiergegen muggte die Elite auf. Gerade der dann etwas später zum Vorsitzenden gewählte C. Kott, beklagte für diesen Fall das Ende der Partei. Im Weiteren wurde die Saarlandwahl zu einer Entscheidungsschlacht hochstilisiert, die Chancen in den Landtag zu kommen seien unvergleichlich gut. Weil das Saarland so klein ist, sei dieses Feld leicht zu beackern. Daneben sei die AfD dort schwach oder irgendwie zu Rechts, so dass der Wahlbürger quasi mit Kusshand die „wählbare“ Alternative ankreuzen würde, denn die Wähler hätten das dringende Bedürfnis Frau Annegret aus dem Amt zu jagen und Lafontaines Oskar den Stinkefinger zu zeigen. Die sich so auftuende Lücke im Parteispektrum sollte also genutzt werden. Ab geht es in den Landtag. Nach einigen Wochen Gequassel war man sich des Erfolges so sicher, dass der Vorsitzende der Partei gar seinen Rücktritt für den Fall avisierte, dass LKR nicht mehr als 0,4,% schaffte.

LKR hat einen elitären Anspruch. Man nennt sich gerne die „Partei der klugen Köpfe“ und ist davon überzeugt das beste Parteiprogramm überhaupt zu haben. Mitglieder werden nur aufgenommen, wenn sie zu einen „passen“. Entsprechend arrogant sind die Führer. Von oben herab werden lautstark Forderungen erhoben, wie “Merkel muss weg“. Niemand der Selbstblender stellt sich die Frage, wie derartige Forderungen einer Partei, die nur in Facebook stattfindet, nach außen hin wirken. Selbstbild und Fremdwahrnehmung sind schon sehr lange nicht mehr kompatibel. Gleichzeitig beklagt man das Desinteresse der Medien. Anstatt zu analysieren, woran dies liegen mag, werden alle möglichen Theorien entwickelt, die jedenfalls darauf hinauslaufen, dass die Medien irgendwie korrumpiert sind. Derweil fragt man sich bei Tageszeitungen, wer zum Teufel irgend ein Herr Zimmermann ist und weshalb die Leser wissen sollten, was dieser Herr über Erdogan weiß. Beseelt vom tiefen Glauben an die eigene Genialität, war man schließlich zu dem Entschluss gelangt, an der Wahl teilzunehmen.

Die Sammlung der notwendigen Unterschriften war dank eines Darlehens, Insider sprechen von 100.000 Euro, welches wohl der jetzt Parteipräsident genannte Vorsitzende zur Verfügung stellte, kein Problem. Auch Einwerber konnten damit bezahlt werden. Von nah und fern reisten Mitglieder an, um in orange farbenen Jacken Straßenwahlkampf zu machen. Haufenweise Fotos im Netz zeigten die Aktivisten, wie sie vor Tapeziertischen herum standen und in der Montur eines Mitarbeiters der Stadtwerke Zettelchen verteilten. Nur eines konnte man auf den Fotos nie sehen: interessierte Kunden. Auf den Zetteln stand einiges über Europa und den Euro lesen. Auch die innere Sicherheit wurde thematisiert. Themen jedoch, die sich mit saarländischen Befindlichkeiten befassten, wurden nicht abgedruckt. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Die „Klugkopfpartei“ führt einen Landtagswahlkampf ohne Landeswahlprogramm. Wozu auch? Das beste Parteiprogramm „ever“ ist mehr als genug. Der politische Durchbruch war damit quasi reine Formsache. Dementsprechend wurden dann auch Plakate entworfen und Vorträge organisiert, bei denen das Publikum mit europapolitischen Thesen traktiert wurde. Diese Vortragsabende waren riesen Erfolge, so jedenfalls war zu lesen. Wenn überhaupt mal ein Bild vom Publikum veröffentlicht wurde, sah man die altbekannten Aktivisten da sitzen, die bei den Reden schon rückwärts mitsprechen können. Fremde Gesichter konnten selten erkannt werden. Da ja alles so prima und genial ablief, versicherte sich auch niemand des Ratschlages eines Werbeprofis. Auch gab es keinen Anlass zu hinterfragen, ob die Auswahl der Themen gelungen war. LKR hat ja die Klugen. Gegen Ende des Wahlkampfes regten sich kleinere Zweifel, die durch „unsachgemäß“ durchgeführte Umfragen befeuert wurden. Dort fand LKR nämlich keine Erwähnung.

Und dann kam der Tag der Wahl, an dem in den Wahlkabinen mutige Konservative den Stern über dem Saarland aufgehen lassen sollten. Das Problem war indes, dass die Mutigen nichts mit LKR anfangen konnten und auch viel lieber „es Annegret“ in der Staatskanzlei sehen wollten als irgend einen Saarbrücker Stadtrat. Die erste Hochrechnung wurde durch den deutschen Fernsehfunk gejagt. Schnell schickte man Links zur HP des Landeswahlleiters. Erleichterung machte sich breit, als irgend ein Aktivist hierzu feststellte, dass nur eine Gemeinde Grundlage der Hochrechnung war. Wenn dann die „Hochburgen“ hinzukommen, wird es anders aussehen, so jedenfalls machte man sich gegenseitig Mut. Statistische Grundkenntnisse waren wohl nicht vorhanden. Es blieb bis zum Schluss beim Ergebnis: 0,2%.

Jetzt hat also LKR ihr Menetekel erfahren. Gewogen und für zu leicht befunden. Noch in der Nacht verfasste der Präsident ein Email. Letztlich konnte man mit diesem Ergebnis rechnen. Die nächste Wahl wird dann gelingen. Die Armee Wenk wird die Hauptstadt entsetzen. Tags drauf wurden tonnenweise Abhandlungen produziert. Einer schrieb von großem Erfolg, denn man habe das konservative Gewissen der Menschheit wieder erweckt, welches aber leider der CDU zu Gute kam. Der Nächste meinte, dass man ja immerhin besser abgeschnitten habe als eine Partei, die sich DBD nennt. Grotesk war ein Beitrag, in dem behauptet wurde, dass der Bürger eben nicht reif genug sei, die frohe Botschaft zu würdigen. Eine Dame spielte mit dem Gedanken der Wahlmanipulation. Letztlich müsse man jetzt auf dem guten Weg weiter voranschreiten. Von der selbst auferlegten Entscheidungswahl war keine Rede mehr; vom Rücktritt des Präsidenten auch nicht. Niemand übernimmt die Verantwortung, obwohl man doch eigentlich den gesamten Vorstand wegen erwiesener Unfähigkeit zum Teufel jagen müsste. Das Ganze nimmt mittlerweile pathologische Formen an. Nachdem sich die Partei in der Vergangenheit bereits wohltuend von vielen ihrer Mitgliedern befreit hat, wird es sicher weitere Austritte geben. Mitglieder und Sympathisanten sind bitter enttäuscht. Das stört aber niemanden sonders. Die, die gehen, taugen eh nix und Wählerstimmen werden ohnehin vollkommen überschätzt. Lieber bekommt die Partei 1600 Stimmen kluger Menschen, als 600.000 von irgendwelchen Dumpfbacken, die CDU wählen.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Silvio Berlusconi)

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