Palo male il tedesco

Ich spreche schlecht Deutsch, singt Conte in einem seiner Mocambo Lieder. Apropos ich muss dran denken ein paar neue Päckchen zu bestellen. In der Nacht habe ich alles ausgetrunken. Einstweilen gehe ich mal eine rauchen.

Ich habe mir heute Nacht nämlich das Vergnügen gemacht und mal so alles durchgelesen, was in der Causa Erdogan  durch das Netz geistert. Dabei habe ich den ganzen Kaffee getrunken. Gegen 5 Uhr habe ich mich dann summend neben eine Mücke gesetzt, damit sie einschlafen konnte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Aufregung eher in konservativen Kreisen kursiert, als in linken. Das mag auch daran liegen, dass der moderne Konservative sich eher als Patriot empfindet. Mal schauen, was unsere SocialNet Patrioten so taugen:

Ich lese also, wie Herr Erdogan in seinem Palast eine Pressekonferenz nach der anderen gibt. Dabei sitzt er in großen goldenen Sesseln, die Wände sind goldverschnörkelt und mächtige goldene Lüster erhellen den Raum. Die ganze Szenerie erinnert mich irgendwie an Liberace. Während Stalin seinen Werktätigen eine palastartige U-Bahn schenkte, haben die türkischen Werktätigen dem Präsidenten einen Palast geschenkt. Dort sitzt er nun und beschimpft halb Europa, speit Drohungen aus und redet sich mehr und mehr in Rage. Deutschland ist ein Nazi Land, die Holländer sind das auch; außerdem Völkermörder und Merkel ist auch nicht viel besser. Und das alles, weil man in Deutschland sagt, dass türkischer Wahlkampf unerwünscht ist und in Holland eine türkische Ministerin davon jagt. Bei Lichte besehen ist die ganze Szenerie ja irgendwie grotesk und eigentlich auch witzig. Charles Chaplin hätte das nicht besser inszenieren können. Warum also die Aufregung?

Frau Merkel verbittet sich höflich diese Reden. Danach schweigt sie. Andere tuen das nicht, wie beispielsweise die holländische Regierung, die wahrscheinlich heute ihr Menetekel erlebt, wenn dieser Blondling ein respektables Wahlergebnis erzielt und halb Holland vor sich her treibt. Es ist aber genau dieser Umstand, der die SocialNet Patrioten auf die Palme treibt. Man fordert die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, gestern Nacht wurde sogar wieder die Visafreiheit für Türken aus der Mottenkiste gekramt, obwohl die nun gar nicht zu Debatte passen will. Deftige Beschimpfungen machen die Runde. Herrn Erdogan „Erdowahn“ zu nennen ist quasi Bürgerpflicht. Despot, kleiner Diktator, großer Diktator, Möchtegerndiktator oder gar Türkenadolf sind ebenso Attribute, die gerne Verwendung finden. Wenn die Patrioten dann mit Erdogan fertig sind, werden die Türken, die in Deutschland sind beschimpft. Man meint, die haben hier nix verloren, jedenfalls dann nicht, wenn sie sich für Erdogan aussprechen. Wer auch immer sollte denen den Pass abnehmen und sie rauswerfen. Begründet wird dieser fromme patriotische Wunsch dann damit, dass auf „deutschen Territorium“ (Originalwortwahl) es nicht zu dulden sei, dass sich irgendwer für die Todesstrafe in Ankara ausspricht und -noch viel schlimmer- sich für das türkische Verfassungsreferendum ausspricht. Wer dies tut, ist keine guter Deutscher oder kann das niemals werden, weil er sich ja nicht integriert. Schuld daran ist der Doppelpass. Was in diesem Verfassungsentwurf steht und warum dies so schlimm ist, muss den deutschen Patrioten ja nicht wirklich interessieren.

Nun ist der Patriot ja derjenige, der sein Vaterland liebt. Deswegen empörten sich die Patrioten auch maßlos wegen Merkels Definition des Begriffs „Volk“. Nein, das sind nicht alle die Deutschland bevölkern, sondern nur diejenigen die Deutsche sind und darunter auch nur solche, deren Herz deutsches Blut durch die Adern pumpt; Volksdeutsche also. Diese Sichtweise und die hieraus entstandenen Verwerfungen sind aus der jüngsten Geschichte ja hinlänglich bekannt. Scheinbar merken die Patrioten vor lauter Vaterlandsliebe schon gar nicht mehr, was sie für einen Stuss reden.

Am 18 März jährt sich zum 169 Mal der Aufruf des preußischen König Friedrich Wilhelm anlässlich der Märzrevolution von 1848 „An mein Volk und an die deutsche Nation“. Das preußische Volk bestand damals aus Polen, Sorben, Litauern, Franzosen und Deutschen. Dem zur Folge wurde der Aufruf dann auch in mehreren Sprachen abgefasst. Das war im Königreich Preußen übliche Praxis, denn alle preußischen Untertanen sollten ja den Aufruf des Königs auch verstehen. Friedrich Wilhelm sah die Sache also ganz ähnlich wie Merkel, da wird man Merkel doch nicht vorwerfen können, kein guter Patriot zu sein.

Die Menschen stört die ungeheuerliche Arroganz, die freilich auch dem Islam innewohnt, mit der Erdogan die Welt zuspamt. Als Reaktion wird Deutschland überhöht, die Türkei herabgewürdigt und türkische Mitbürger ausgegrenzt. Damit wird Herrn Erdogan in die Hand gespielt, denn genau diese Reaktion hatte er erwartet und auch provoziert. Es wird also das gefördert, was man nicht möchte.

Wer ausgrenzt, ist kein Patriot, sondern ein reaktionärer Chauvinist. Alle Menschen, die in Deutschland ihre Heimat gefunden haben, verdienen es, anständig behandelt zu werden. Freilich gibt es enorme Probleme bei der Integration und da insbesondere bei vielen türkischen Mitbürgern. Durch Beschimpfungen hingegen wird das vielschichtige Problem wohl nicht gelöst. Wer nicht erkennt, dass das Gefühl der Heimat nichts mit dem Pass zu tun hat, ist kein guter Patriot.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“   (Bob der Baumeister)

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